Wie Bingen als Hochschulstandort gestärkt werden kann, stand im Mittelpunkt eines Austauschs zwischen der Präsidentin der Technischen Hochschule (TH) Bingen und der SPD-Fraktion im Stadtrat. Einig waren sich alle Beteiligten: Damit sich die Hochschule weiterentwickeln kann, braucht es eine engere Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.

Aus Sicht der Hochschulleitung sind klare AnsprechpartnerInnen, schlanke Verwaltungsstrukturen und schnelle Entscheidungen wichtige Voraussetzungen. Gerade bei Themen wie der Entwicklung von Gewerbeflächen oder bei Fragen rund um Büro- und Laborräume sei ein Austausch mit der Stadt entscheidend. Zwar entstehen in der Region, etwa durch neue Laborstandorte in Mainz, zusätzliche Kapazitäten. Für Start-ups und kleinere Ausgründungen seien diese jedoch häufig zu groß dimensioniert, erklärte Krause. Räume für junge Unternehmen, in denen Studierende, GründerInnen und Wirtschaft zusammenkommen und neue Ideen oder Produkte entwickeln können, fehlten bislang. Perspektivisch könnte das TH-Stadtgebäude (Hermann-Hoepke-Technikum) in der Rochusallee hier eine Rolle spielen: Dort könnten freie Kapazitäten etwa für Coworking-Spaces und die Ansiedlung von Start-ups genutzt werden, dies könnte ein möglicher Baustein sein für eine engere Verbindung zwischen Hochschule, Wirtschaft und Innenstadt. Die SPD-Fraktion betonte, sie wolle diesen Dialog anregen. Die städtische Wirtschaftsförderung solle stärker in die Pflicht genommen werden. Eine Analyse zum künftigen Bedarf an Büro- und Laborflächen könne helfen, Entwicklungen frühzeitig zu steuern.

Inhaltlich bleibt die Hochschule ihren MINT-Schwerpunkten (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) treu. Dabei bietet die Kombination aus ingenieurwissenschaftlichen Fächern und Life Sciences wie Umwelt- oder Klimaschutz gerade jetzt neue Chancen. Die Präsidentin betonte, dass klassische Ingenieurfächer und Umwelt- sowie Agrarthemen nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. Ziel sei vielmehr, sie sinnvoll zu verbinden. Ein Beispiel dafür sei der neue Studiengang „Green Engineering“, der die Themen Nachhaltigkeit und Ingenieurwissenschaften sinnvoll und zukunftsfähig miteinander verbindet und äußerst gefragt ist. Insgesamt bietet die Hochschule circa 35 Studiengänge mit rund 2150 Studierenden an. Einige Programme sollen künftig stärker gebündelt werden, um Synergien zu schaffen und langfristig zukunftsfähig zu bleiben. Themen wie Nachhaltigkeit gehören zu den gefragtesten Bereichen. Künstliche Intelligenz sei dabei kein einzelner Schwerpunkt, sondern fließe inzwischen in viele Studiengänge ein.

Rund 18 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland. Das erfordert mehr englischsprachige Angebote, sowohl in der Lehre als auch in Verwaltungsprozessen. Gleichzeitig beobachtet die Hochschule, dass StudienanfängerInnen häufiger unterschiedliche Wissensstände mitbringen. Daher werden verstärkt Vorkurse angeboten, um alle Studierenden auf den gleichen Stand zu bringen.

Mit Blick auf die Rahmenbedingungen erklärte die Präsidentin, die finanzielle Lage vieler Hochschulen sei angespannt. „Das Geld ist knapp“, sagte Krause, „wir hoffen, dass es zumindest nicht weniger wird.“ Auch personell stünden viele Einrichtungen vor Herausforderungen.

Langfristig strebt die TH Bingen ein moderates Wachstum auf etwa 2500 Studierende an. Dafür müsse aber auch die Stadt Bingen attraktiver für Studierende werden, etwa durch mehr Wohnraum und bessere ÖPNV-Anbindungen, insbesondere Richtung Mainz, wo aktuell viele der TH-Studierenden wohnen.

Ein wichtiger Schritt auf dem Campus steht bereits bevor: Das Audimax mit Vorlesungs- und Lernräumen soll eröffnen. Am 17. April lädt die Hochschule zudem zum Hochschulinfotag und zur „5. Nacht der Wissenschaft“ ein und öffnet ihre Türen für die Öffentlichkeit.